9. September 1937: Der Bielefelder NSDAP-Funktionär Fritz Homann stirbt

• Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld •

Die Todesnachricht erschütterte das nationalsozialistische Ostwestfalen: Am 9. September 1937 starb nach schwerer Krankheit in Bad Lippspringe der langjährige NSDAP-Funktionär und seit 1934/35 als Landrat von Paderborn amtierende Heinrich Friedrich „Fritz“ Wilhelm Homann. Er wurde in der regionalen NS-Bewegung als „Eroberer von Minden-Ravensberg“ oder „Eroberer Ostwestfalens“ verehrt und verklärt, muss aber in der Rückschau als lokaler Wegbereiter von Diktatur und Terror erkannt werden. Nach seinem Parteieintritt hatte er eine Funktionärs- und Ämterkarriere hingelegt, die Ausdruck sowohl einer unumstößlichen politischen Ergebenheit wie des Personalmangels der NSDAP war, die nach 1933 „alte Kämpfer“ wie Homann per usurpierter Personalhoheit mit Posten versorgte. Die Partei glaubte, fehlende Verwaltungserfahrung und juristische Kenntnisse vor allem durch politische Zuverlässigkeit wett machen zu können, so auch im Fall des gelernten Maurers Fritz Homann, dessen politischer Aufstieg eng verknüpft ist mit der Frühgeschichte der NSDADP-Ortsgruppe Bielefeld.

 

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Friedrich „Fritz“ Homann; aus: Arno Schröder, Mit der Partei vorwärts! Zehn Jahre Gau Westfalen-Nord, Detmold 1940, S. 58

Herkunft und politische Radikalisierung

Fritz Homann war am 30. März 1891 in Bröderhausen, im heutigen Kreis Minden-Lübbecke, als Sohn des Schuhmachermeisters Heinrich Homann geboren und erlernte nach dem Schulbesuch in Schnathorst von 1907 bis 1910 das Maurerhandwerk. Zuvor war er in der väterlichen Landwirtschaft tätig gewesen. Im Infanterieregiment 17 leistete er 1911 bis 1913 in Mörchingen seinen Armeedienst, danach stand er im Ersten Weltkrieg durchgängig an der Front. Drei Mal wurde er verwundet: 1914 bei Arras, 1915 leicht beim Reserve-Infanterie-Regiment (RIR) 218 während der Durchbruchschlacht von Gorlice-Tarnów, im März 1917 als Vizefeldwebel des RIR 208 bei La Potière-Pesée dagegen schwer.

 

Mit einer Schwerbeschädigung von 50 % kehrte er aus dem Krieg zurück und war zunächst Polizeiunteroffizier im Vereinslazarett Bethel bis zu dessen Auflösung Mitte 1921. Von September 1921 bis 1925 arbeitete er als Steuerwachtmeister, später als Vollziehungsbeamter beim Finanzamt und schließlich als Magazinverwalter bei der Ravensberger Spinnerei. Am 2. November 1918, also kurz vor Kriegsende, hatte er in Bielefeld die dort geborene Frieda Wilhelmine Johanne Homann geb. Recksiek (1890-1968) geheiratet. Aus der Ehe gingen zwei 1920 und 1929 geborene Söhne hervor.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich eine Parteienlandschaft, die aus alten Parteien (Zentrum, SPD) und umbenannten oder neuen Parteien bestand. Zu letzteren zählte die 1920 gegründete NSDAP, deren Vorsitz Adolf Hitler 1921 übernahm. Ersten Parteiverboten in einigen deutschen Ländern und dem gescheiterten Putsch vom 9. November 1923 folgte zwei Wochen später ein reichsweites NSDAP-Verbot. Hitler wurde zu einer fünfjährigen Festungshaft verurteilt, kam aber nach wenigen Monaten frei und konnte bereits am 27. Februar 1925 die Partei wiedergründen. Verschiedene Medien hatten früher Notiz von Hitler genommen. Das in Bonn erscheinende Zentrums-Blatt „Deutsche Reichs-Zeitung“ machte am 10. November 1922 unter dem Titel „Deutscher Faszismus?“ auf eine Berichterstattung der Kölnischen Zeitung zwei Tage zuvor und eine „von Woche zu Woche gewaltig anwachsende Bewegung“ aufmerksam, die sich „in Bayern hinter eine vorläufig noch problematische Persönlichkeit – Adolf Hitler mit Namen – stellt. Man wird den Namen sich merken müssen.“

 

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Titel der NSDAP-Ortsgruppenchronik von Max Hiemisch (1906-1940); Landesgeschichtliche Bibliothek, NS 94

Der Weg einzelner Bielefelder in die politische Radikalisierung und in die NSDAP bleibt zumeist unklar, so auch bei Fritz Homann, der aber vom März bis November 1923 in Bielefeld Parteimitglied gewesen war. Diese erste NSDAP-Ortsgruppe war 1923 vom Münchener Jurastudenten Hans Semler (1902-1979) gegründet worden, der in Bielefeld geboren war. Mittels einer Adressauskunft des NS-Blatts „Völkischer Beobachter“ über Bielefelder Abonnenten fand Semmler, der Mitte Dezember 1922 in München der NSDAP beigetreten war, zwei Nationalsozialisten in seiner Geburtsstadt und gründete, angeblich am 5. März 1923, eine Ortsgruppe in Bielefeld, wenn man der Darstellung der Westfälischen Zeitung vom 5. Dezember 1936 zum NSDAP-Kreistreffen 1936 Glauben schenken darf. Diese präzise Nennung eines Erstgründungsdatums 1923 beruht allerdings offensichtlich auf einer Verwechslung mit einer wichtigen Versammlung am 5. März 1925 im Vorfeld der Wiedergründung nach Aufhebung des Parteiverbots. Max Hiemisch (1906-1940) erwähnt diese Erstgründung von 1923 in seiner Ortsgruppen-Chronik seltsamerweise nicht, so dass das genaue Datum unklar bleibt.

 

1923 klebte der junge Nationalsozialist Semler mit weiteren Unterstützern Flugblätter, mit denen der seit März des Jahres laufende „Zucker-Prozess“ als „lokale Juden-Korruption“ skandalisiert wurde. In diesem Verfahren war u. a. der jüdische Händler Paul Windmüller (1882-1937) wegen Wucherei beim Zuckerhandel angeklagt, wurde aber im Januar 1925 wie die anderen Beschuldigten freigesprochen. Die junge NSDAP-Ortsgruppe bauschte den Vorgang unter dem Titel „Dussel“ dennoch auf: „Hast Du Dir noch nicht überlegt, warum der jüdische Zuckerschieber Windmüller nicht eingesperrt wird?“

 

Nach­dem diese Orts­grup­pe im Gefolge des von der da­ma­li­gen Reichs­re­gie­rung ver­füg­ten Par­tei­ver­bots er­lo­schen war, organisierten sich einige der Mitglieder im „Frontbann“, der die SA der NSDAP und andere rechtsextreme Kampfverbände versammelte. Homann wiederum war seit Juli 1924 SA-Bezirksführer und damit innerhalb der Tarnorganisation „Frontbann“ quasi der NSDAP-Regionalchef. Er sollte sich in der Verbotszeit, aber vor allem in der Phase der Wiedergründung als zupackender und Hitler-loyaler Parteigenosse zeigen. Aus dieser von ihm angeführten SA rekrutierte sich 1925 der Kern der neuen NSDAP-Ortsgruppe in Bielefeld. Unter dem Autorenkürzel A.Z. (wohl Gründungsmitglied und SA-Führer Alex Zimmermann) veröffentlichte die WNN am 28. Mai 1938 einen Rückblick auf die sogenannte Kampfzeit, der sogar die – letztlich aus unklaren Ursachen gescheiterte – Absicht einiger NSDAP-Mitglieder erwähnt, am Hitler-Putsch im November 1923 teilzunehmen. Homann sei es gewesen, der in der Verbotszeit die Anhänger wieder habe sammeln können: „Von allen Jahren des Kampfes ist es wohl die schwerste Zeit gewesen, als man uns von keiner Seite ernst nahm, uns als Irre verlachte.“

 

Die NSDAP-Ortsgruppe Bielefeld 1925

Als politisches Auffangbecken der Nationalsozialisten fungierte während des Parteiverbots die Nationalsozialistische Freiheitsbewegung, die sie gemeinsam mit der Deutsch-völkischen Freiheitspartei gebildet hatten. Am Tag der NSDAP-Wiedergründung durch Hitler kam im Bielefelder Handwerkerhaus die örtliche Nationalsozialistische Freiheitspartei zusammen, um angesichts der zu erwartenden Aufspaltung der Freiheitsbewegung vorgeblich die Schuldenverteilung zu beraten. Der deutsch-völkische Versammlungsleiter erlaubte sich indes eine „unglaubliche Beleidigung“ der SA, so Hiemisch in der Parteichronik ohne dieses weiter auszuführen. Konkreter wurde er in einem Nachruf auf Homann in den Westfälischen Neuesten Nachrichten am 9. Oktober 1937, demzufolge die Deutsch-Völkischen über Hitler herzogen, die SA-Männer als „Meine Herren Jungen“ bezeichneten, mit denen man nichts zu tun haben wolle, und die SA insgesamt als „Soldaten-Spielerei“ abtaten. Der offensichtlich gekränkte Homann ordnete umgehend den Auszug der „kleinen Sturmabteilung“ an – oder handelte es sich um eine Inszenierung? Die Bielefelder Versammlungsteilnehmer im Handwerkerhaus traten mehrheitlich zur Deutsch­völ­ki­schen Frei­heits­partei über, nur vier wechselten zur NS­DAP. In die NSDAP ging ebenfalls vollständig die zwölfköpfige SA-Gruppe mit Fritz Homann an der Spitze über, der die Mitgliedsnummer 16132 erhielt.

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Eine wohl nachträglich erstellte Mitgliederliste von 1925 zeigt Lücken und Hinweise auf Mehrfachzählungen; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 2

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Bei einer ersten Versammlung der neuen NSDAP-Ortsgruppe Bielefeld am 5. März 1925 im Handwerkerhaus „Erholung“, Papenmarkt 11, wurde zunächst ein geschäftsführender Vorstand mit Homann, Paul Meyer (1881-1961) und Hans-Otto Haupt (1898-1969; NSDAP-Mitgliedsnummer 16133) bestimmt. Wäh­rend der offiziellen Gründungsversammlung am 16. März 1925 tra­ten angeblich 35 der 39 Sit­zungs­teil­neh­mer bei, unter ihnen SA-Chef Homann, der sogleich Orts­grup­pen­lei­ter wur­de. Die offensichtlich nachträglich angelegten Teilnehmerlisten offenbaren einige Fehlstellen bei Namen, Vornamen und Adressen, die eine eindeutige Identifizierung erschweren, vor allem aber Hinweise auf Doppelungen: zwei Mal Bernhard Blasius, wobei es sich hier auch um den namensgleichen Vater (ein Homöopath) und Sohn (Kreispropagandaleiter 1932-1937) handeln kann, und gar drei Mal Dahlmann aus Bethel/Bethelweg 44, wo Vater und Sohn namens Emil wohnten. Bei anderen Teilnehmern ist jedoch ausdrücklich ein „jr.“/„jun.“ vermerkt, was gerade bei Namensdoppelungen Sinn ergeben würde. Handelt es sich tatsächlich um Mehrfachzählungen, waren es 36 Teilnehmende, von denen 32 beitraten. Homann selbst gab wenige Wochen vor Feststellung seiner Erkrankung ein Interview, das am 16. März 1937 in den Westfälischen Neuesten Nachrichten abgedruckt wurde. Seiner Erinnerung nach traten am 16. März 1925 nur 30 „Volksgenossen“ bei, davon 16 SA-Angehörige, wobei Homann sich auch getäuscht haben kann.

 

Die Parteibasis war anfangs kaum gefestigt und vor allem politisch unerfahren. Der 34-Jährige Homann führte zunächst eine altersmäßig junge Ortsgruppe. Von 24 namentlich zu identifizierenden Gründungsmitgliedern vom 16. März 1925 waren 15 nach 1899 geboren, nur eines vor 1890. Hiemisch schrieb 1937 im erwähnten WNN-Nachruf: „Die NSDAP. war damals alles, nur keine aussichtsreiche Sache. Außer gutem Willen, Kampfesfreudigkeit und Opfermut fehlte es an allem, was dazu gehört, eine Bewegung aufzuziehen. […] Wir alten Nationalsozialisten sind ehrlich genug einzugestehen, daß wir angesichts der scheinbaren Aussichtslosigkeit nicht nur einmal drauf und dran waren, den Mut zu verlieren, und einige Male drohte die Bielefelder Ortsgruppe sich selbst aufzulösen. Sie wäre zweifellos auch in die Brüche gegangen, wenn es nicht immer wieder Parteigenosse Homann gewesen wäre, der durch sein Vorbild den Kameraden neuen Mut einflößte.“ „Querköpfe“ und „Querulanten“ seien ausgeschlossen worden.

 

Die WNN schrieben am 28. Mai 1938 anlässlich des NSDAP-Kreistreffens: „Ortsgruppe und SA. waren in dieser Frühphase praktisch eins. Fast jeder Parteigenosse war auch SA.-Mann. […] Zuwachs kam kaum, schon die Meldung eines einzigen Parteigenossen war ein Ereignis.“ Nach dem Wegzug von Gründungsmitglied Nikolaus Viereck nach Hamburg übernahm Homann auch die Bezirksleitung der NSDAP mit einer räumlichen Zuständigkeit für die Kreise Wiedenbrück, Halle, Bielefeld, Herford, Lübbecke und Minden, nicht jedoch Paderborn und Büren sowie zunächst Lemgo und Detmold. Erst im Oktober 1928 kam Lippe-Detmold bis zum 6. Januar 1930 hinzu.

 

Bereits am 23. März 1925, also nur eine Woche nach der eigentlichen Gründungsversammlung trat mit Gregor Strasser (1892-1934) eine frühe NSDAP-Parteigröße in Bielefeld auf. Im Gesellschaftshaus Nerlich am Bürgerweg (heute Stapenhorststraße) sprach der dem sozialistischen Flügel zuzurechnende Apotheker aus Bayern in einem nur halb gefüllten Saal über „Was will Hitler?“. Unmissverständlich hatten Zeitungsannoncen im Vorfeld klargemacht: „Juden haben keinen Zutritt!“ Laut anschließender Berichterstattung in der Bielefelder Abendzeitung v. 26. März 1925 gab sich Strasser betont antikapitalistisch und auch antisemitisch, wofür er den aktuellen Skandal um den Zusammenbruch des Barmat-Konzerns nutzte, der bis zuletzt, auch dank Bestechungen, staatliche Kredite erhalten hatte. Strasser vertrat demnach die Meinung, wenn man „in der Berliner Börse 10 Juden aufgehängt hätte, es zu keiner Inflation gekommen wäre“ und dass der Dawes-Plan Deutschland zu „einer Arbeits- und Strafkolonie jüdischen Großkapitals“ mache: „Unter National verstehen wir wirtschaftliche Zusammengehörigkeit. Unter Sozial verstehen wir die wahre Volksgemeinschaft. […] Wir nennen uns Arbeiterpartei deshalb, weil wir Kopf- und Handarbeiter in gemeinsamem Sinne als Arbeiter ansehen.“

 

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Vortragsankündigung für Gregor Strasser; Bielefelder Abendzeitung v. 21. März 1925; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen, Nr. 4

Strassers Partei-Definition entsprach seiner antikapitalistischen-sozialrevolutionären Linie, die er gemeinsam mit seinem Bruder Otto (1897-1974) und zunächst auch Josef Goebbels (1897-1945) propagierte, während Hitler eine völkische Ausrichtung verfolgte und diese schließlich durchsetzte. Gregor Strasser wurde 1934 im Rahmen der innerparteilichen Säuberungsaktionen nach dem „Röhm-Putsch“ erschossen. Wie weit die Tilgung seines Namens ging, zeigt die Ortsgruppen-Rückschau Max Hiemischs in der Westfälischen Zeitung v. 5. Dezember 1936, in der nur noch ein „Redner aus München“ beim Auftaktvortrag 1925 erwähnt wurde.

 

Am 31. Juli 1925 sprach Josef Goebbels erstmalig in Bielefeld – und sein Auftritt war alles andere als überzeugend. Der Saal im Handwerkerhaus war gut gefüllt, die Ortsgruppe hoffte auf einen vorzeigbaren Erfolg der Veranstaltung, wenn „der PG. Dr. Goebbels aus Elberfeld nicht restlos versagt hätte“, wie Max Hiemisch in der Ortsgruppenchronik bemerkenswert offen resümierte: „Der Vortrag war derart langweilig, daß gegen Schluß der Versammlung schon eine ganze Menge Besucher einfach nach Hause gingen“, da Goebbels „bei seinem Vortrag kein Ende“ fand – „Wir waren uns jedenfalls alle darüber einig: ´Den Dr. Goebbels wollen wir nicht wieder haben!´“.

 

Wie ausgewechselt trug Goebbels dann aber am 24. November 1925 über „Lenin oder Hitler?“ im Hotel Vereinshaus in der Bahnhofstraße vor. Ein weiterer Auftritt in Bielefeld am 10. März 1926 litt unter den Terminhinweisen in allen Zeitungen offensichtlich kaum, die ihn als „Dr. Grebbels“ angekündigt hatten. Laut Hiemischs Parteichronik war der Saal zum Bersten voll, die Nationalsozialisten aber in der Minderheit, während Kommunisten die Versammlung dominierten und offensichtlich sprengen wollten. Goebbels sprach über das von SPD und KPD eingebrachte Volksbegehren einer Fürstenenteignung, dem sich der linke Parteiflügel um Strasser ursprünglich anschließen wollte, ehe Hitler dieses im Februar ablehnt hatte. Goebbels parierte wiederholt Provokationen aus dem Publikum und der politischen Gegner und dehnte eine Abstimmung über die Enteignung über die Fürsten clever auf seit 1914 eingewanderte Juden aus, was Parteilinie der Nationalsozialisten war.

 

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Vortragsankündigung für Dr. „Josef Grebbels“; Westfälische Neueste Nachrichten v. 9. März 1926; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen, Nr. 6

Goebbels damaliges Vortragsthema „Kapitalismus oder Sozialismus?“ reflektiert grundsätzlich die Parteiströmungen innerhalb der NSDAP, wobei Goebbels selbst anfangs noch Strassers sozialistisch-antikapitalistischen Einstellungen teilte und mit ihm den Parteiaufbau in Norddeutschland vorantrieb. Dass mit Strasser und Goebbels 1925 zwei ausgemachte Vertreter des sozialistischen Parteiflügels vor der Bielefelder NSDAP sprachen, scheint auf den ersten Blick für eine inhaltliche, also antikapitalistische Orientierung der Ortsgruppe und auch Homanns als deren Leiter zu sprechen (ein Bericht im NS-Volksblatt v. 26. Januar 1934 bezeichnet dagegen Hans-Otto Haupt als Ortsgruppenleiter 1925/26). Naheliegender erscheint aber der Umstand, dass beide als Vertreter der von Hitler selbst initiierten „Arbeitsgemeinschaft Nordwest“ auftraten, die die Partei in Norddeutschland etablieren sollte. Strasser war im Februar 1925 von Hitler entsprechend beauftragt worden, Goebbels wurde im Oktober Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft.

 

Ausbau der NSDAP in Ostwestfalen

Der Ortsgruppe Bielefeld und ihrem Leiter Fritz Homann fiel in den folgenden Jahren die Führungsrolle beim Parteiaufbau in Ostwestfalen zu. Von seiner Dienstwohnung im Finanzamt Bielefeld, die „zur Urzelle wurde für die NSDAP. in Bielefeld und im ganzen Ostwestfalen“ (WNN v. 23. Oktober 1937), organisierte Homann den organisatorischen und propagandistischen Ausbau. Als die „Alte Garde“ der frühen NSDAP-Mitglieder aus der „Kampfzeit“ 1939 durch Westfalen reiste und jeweils pompös empfangen wurde, sprachen die Westfälischen Neuesten Nachrichten am 27. Februar 1940 von Bielefeld als einer „Kampfzentrale der Partei“. Dabei war die Parteibasis in Bielefeld lange Zeit ausgesprochen übersichtlich, denn noch 1929 zählte die Ortsgruppe gerade einmal 80 Mitglieder, während die Partei auf Reichsebene in jenem Jahr die Schallmauer von 100.000 gebrochen hatte. Vor allem auf Homanns Initiative hin entstanden weitere Ortsgruppen: zunächst in Bünde und Bad Oeynhausen (12. April), Herford (7. Mai), Minden mit 25 Parteigenossen (29. Dezember), Löhne und Tengern (1. November 1926). Homann wollte, wie er der Parteileitung in München im Oktober 1925 schrieb, die „großen Kanonen“ nach Ostwestfalen holen, also bekannte Parteiredner, um den Parteiausbau voranzutreiben. Nach dem Gautag in Essen 1927 entfaltete das Gaugebiet eine rege Propagandatätigkeit. Dennoch erzielte die NSDAP bei der Reichstagswahl am 20. Mai 1928 im Wahlkreis Westfalen-Nord nur 12.118 Stimmen, in Bielefeld davon lediglich 911. Dass war zwar gegenüber 1925 eine deutliche Steigerung, als man nur 250 zählte, aber für den betriebenen Aufwand doch enttäuschend. Im Landkreis Bielefeld fasste die NSDAP relativ spät Fuß, als Homann am 5. November 1929 zunächst in Jöllenbeck eine Ortsgruppe gründen konnte. Brackwede folgte im Herbst 1930, danach Quelle, Ummeln, Senne I und II, Eckardtsheim und Isselhorst, 1931 erst Gadderbaum/Bethel, später Heepen, Brake, Milse, Hillegossen und Dornberg.

 

Bei Homann liefen alle Fäden in der Ortsgruppe und im Bezirk zusammen. Ortsgruppenleiter war er von der Neugründung bis Februar 1926 und danach wieder vom 1. November 1927 bis 31. Dezember 1928, bis September 1932 leitete er den NSDAP-Bezirk Ravensberg. Im Mai 1928 kandidierte er erfolglos für den Reichstag, schaffte es aber 1929 in die Bielefelder Stadtverordnetenversammlung, der er bis 1933 angehörte. Homann war damit zum entscheidenden Mann avanciert, der die Parteiverhältnisse sowohl in Bielefeld als auch in der Region ordnete, gleichzeitig aber auch ein enormes Pensum als Wahlkampfredner abspulte und dieses auch von seinen Parteigenossen verlangte. Im September 1930 zog er in den Reichstag ein, als die NSDAP ihr Ergebnis von 2,6 auf 18,3 % der Wählerstimmen gesteigert und sich damit auf Rang 2 hinter SPD katapultiert sowie 107 statt 12 Mandate gesichert hatte. In Bielefeld votierten 10.022 Wähler (15,38 %) für die NSDAP, 1929 waren es gerade 911 (1,42 %) gewesen. Unter den nach 1933 veränderten politischen Verhältnissen blieb Homann bis zu seinem Tod 1937 Mitglied des Reichstags.

 

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Mit ihrer Parteipostille „Der Leineweber“ warb die NSDAP im Vorfeld der Bielefelder Stadtverordnetenwahl 1929; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,10/Zeitgeschichtliche Sammlung, Nr. 307

Die Bielefelder NSDAP-Ortsgruppe scheint unter Homanns Führung in Krisenzeiten und Konsolidierungsphasen durchgängig und uneingeschränkt hinter der Parteispitze und damit hinter Adolf Hitler gestanden zu haben. Nach der September-Wahl von 1930 entfaltete sich eine innerparteiliche, vom stellvertretenden SA-Chef Walther Stennes (1895-1983) in Berlin entfachte Revolte. Während Hitler aus taktischen Gründen einen Legalitätskurs verfolgte, um ein erneutes Parteiverbot zu verhindern, propagierte der von den Wahlergebnissen euphorisierte Stennes im Frühjahr 1931 einen Staatsstreich. Hitler setzte sich durch, Stennes und seine Anhänger wurden aus der NSDAP ausgeschlossen.

 

Auch in Bielefeld fand Stennes in der Person von Hans-Otto Haupt indirekt Unterstützung. Haupt hatte 1923 und 1925 die Ortsgruppe mitbegründet, war danach ausgeschieden, kandidierte aber nach seiner Wiederaufnahme 1929 für den Stadtrat. Das sicher geglaubte Mandat verlor er jedoch an den offensichtlich politisch zuverlässigeren Homann, zu dem sich eine Art Intimfeindschaft entwickelte. 1930 wurde Haupt wegen Disziplinproblemen ausgeschlossen und danach zur „Seele einer Oppositionsgruppe“, wie die bis dahin gleichgeschaltete Westfälische Zeitung am 26. Januar 1934 schrieb. Im Mai 1931 leitete Haupt einem privaten Verteiler mit 130 Empfängern ein persönliches Rundschreiben zu, das von einer Bonzen-Wirtschaft in der Ortsgruppe und Bildung einer „schwarzen Front“ hiergegen sprach. Es liegt nahe, dass Haupt sich der im Juni 1931 gebildeten kleinen Bielefelder Ortsgruppe der „Nationalsozialistischen Kampfgemeinschaft Deutschlands“ (NSKD) anschloss, die Stennes und Gregor Strasser ins Leben gerufen hatten.

 

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Liste der NSDAP-Redner im Kreis Minden für die Reichstagswahl 1932; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 70

Im Zuge der Stennes-Revolte beeilte sich die Bielefelder Ortsgruppe mit Fritz Homann an der Spitze dagegen, bereits am 4. April 1931 eine Loyalitätsbekundung zu veröffentlichen: „Die in der NSDAP. organisierten deutschen Volksgenossen stehen bedingungslos hinter ihrem Führer Adolf Hitler. Wer für die nationalsozialistische Bewegung untragbar geworden ist oder aus dem Rahmen tanzt, wird im Interesse der Geschlossenheit der Bewegung aus den Reihen der Nationalsozialisten entfernt. Selbst wenn morgen hunderttausend aus der NSDAP. ausgeschlossen würden, so würde das der Partei bei ihrer strammen Organisation und bei dem unumstößlichen Führerprinzip nichts schaden.“

 

Haupt sollte weiter ein Unruheherd bleiben, dem es anscheinend weniger um die großen Entwicklungen und Missstände der NSDAP ging, als um einen privaten und lokalen Kleinkrieg gegen die führenden Köpfe der Ortsgruppe und dabei vor allem Homann. 1933 adressierte er in drei Rundschreiben „Bonzen“-Vorwürfe direkt gegen Homann, Semler, Hiemisch, Kreisinspekteur Karl Heidemann (1895-1975) und den Leiter des Winterhilfswerks Paul Holtmann (1891-1948), sprach dabei von „skandalöser Parteibonzen-Wirtschaft“, Unfähigkeit (Homann), Unterschlagung (Hiemisch und Heidemann) und Duldung der Missstände (Semler). Empfänger waren auch die NSDAP-Reichsleitung in München sowie der brandenburgische Oberpräsident Wilhelm Kube (1887-1943). Die 1. Strafkammer am Landgericht Bielefeld verurteilte Haupt im Januar 1934 wegen „übler Nachrede“ zu drei Monaten Gefängnis. Für das NS-Volksblatt für Westfalen vom 26. Januar 1934 war Haupt ein „typischer Querulant und geborener Opponent“. Kaum anders berichteten die anderen, inzwischen gleichgeschalteten Zeitungen über das wohl als Schauprozess zu bezeichnende zweitägige Verfahren, denn auch das Gericht war mittlerweile auf Parteilinie. Bemerkenswert ist ein Einblick des NS-Volksblatts in die Finanzorganisation der Ortsgruppe 1923, deren „Kassendinge zu jener Zeit nicht mit allzu betonter Korrektheit gehandhabt wurden“, wie Semler zugeben musste. Unterschlagungen o. ä. seien aber nie bewiesen und auch nach einer Kassenprüfung nicht bestätigt worden. Nicht erwähnt wurde hierbei, dass der Gauschatzmeister Ende 1932 Gauleiter Meyer aufforderte, gegen Homann „die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen“, nachdem eine Prüfung der NSDAP-Bezirkskasse wegen fehlender Unterlagen nicht durchgeführt werden konnte und Spendengelder an die Gauleitung nur in unzureichendem Maße abgeführt worden waren. Darüber hinaus schuldete Homann persönlich Beiträge in Höhe von 15 RM, seine Ehefrau sogar 50 RM, weshalb diese aus der NSDAP ausgeschlossen worden sei.

 

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Hans Semler (1902-1979); aus: Arno Schröder, Mit der Partei vorwärts! Zehn Jahre Gau Westfalen-Nord, Detmold 1940, S. 72

Der „alte Kämpfer“ als Landrat

Loyalitätsbekundungen wie die der Ortsgruppe von 1931 belohnte die Parteispitze mit Posten. Homann avancierte in Nachfolge von Alfred Jäger (1903-?) zum Gaupropagandaleiter der NSDAP in Westfalen-Nord (August 1931 bis Januar 1934) und zum Gauinspekteur der Gauleitung Westfalen-Nord (1. Oktober 1932 bis 1937), der für Beschwerden, Untersuchungen und Sonderaufträge des Gauleiters zuständig war und Gnaden-, Unterstützungs- und Darlehnsgesuche bearbeitete. Seit dem 1. April 1933 war er bei der damaligen Regierung Minden zudem politischer Beauftragter („Vertrauensmann“) des gleichaltrigen Gauleiters Dr. Alfred Meyer (1891-1945). Neben diesen politischen Ämtern nahm er öffentliche Aufgaben wahr, wobei die Trennlinien zwischen Partei und Verwaltung seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zusehends verwischten: Vom 6. Juli 1931 bis 31. Januar 1934 leitete er die Landesstelle Westfalen-Lippe des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Am 29. März 1934 übernahm er vertretungsweise die Leitung des Landratsamts Paderborn, am 15. Oktober 1934 wurde er kommissarischer Landrat, am 24. April 1935 tatsächlicher Landrat in Paderborn mit Wirkung vom 1. Februar 1935.

 

Homann gehörte mit seiner Ernennung zu den 50 % der zwischen 1933 und 1935 installierten Landräte, die sich durch Loyalität und entsprechende Parteikarriere für den Posten prädestinierten, nicht aber durch eine fachliche Qualifikation als Verwaltungsbeamter oder Jurist. Allenfalls konnten ihm gewisse Bürokratieerfahrungen zugebilligt werden, wenn seine untergeordneten Tätigkeiten im Finanzamt oder seine Mandate als Stadtverordneter ab 1929 und seit März 1933 als Stadtrat berücksichtigt wurden. Ähnlich belohnt wurde der Initiator der ersten NSDAP-Ortsgruppe Bielefeld 1923, Hans Semler, der als Stadtverordneter ab 1930 ebenfalls politische Ämter bekleidete, 1936 Generalstaatsanwalt am OLG Hamm und am 1. März 1943 gar dessen Präsident wurde, aber fachlich als „Niete“ (Schneider/2004) galt. Homann selbst war mindestens seit 1932 ein unbedingter Verfechter dieser Parteipatronage – anlässlich der Besetzung eines NSDAP-Kreisleiterpostens ließ er einen Bewerber wissen: „Sie wissen, daß ich immer den Standpunkt vertreten habe, daß die alten Pgg. in erster Linie zu berücksichtigen sind.“

 

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Grußwort des Gauleiters Dr. Alfred Meyer (1891-1945) anlässlich der Einweihung der NSDAP-Kreisschulungsburg „Fritz Homann“ in Lübbecke; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 7

Homanns Ernennung war allerdings nicht selbstverständlich und es bedurfte mehrfacher Vorsprachen des Gauleiters Meyer, um den Wunschkandidaten der Partei durchzusetzen. An den Mindener Regierungspräsidenten Adolf von Oeynhausen (1877-1953), der als NSDAP-Mann 1933 ins Amt gekommen war, schrieb er: „Dar Landratsposten in Paderborn ist der wichtigste meines Bezirks nach der politischen Seite hin. Der Landrat von Paderborn muß neben Fingerspitzengefühl und Takt, einen klaren Blick und ruhige Überlegung besitzen. Er muß frei sein von der Mentalität der einflußreichsten Kreise des Paderborner Landes.“ Diese Kreise waren im gesellschaftlichen Katholizismus zu verorten, nachdem der politische mit der Selbstauflösung des Zentrums am 5. Juli 1933 untergegangen war.

 

Meyer erkannte in Homann die nötigen Eigenschaften, „die staatlichen Belange und die unserer Bewegung“ zu vertreten. Aus „Paderborner Kreisen“, die gute Verbindungen nach Berlin besäßen, werde „gegen die Kandidatur Homann stark gearbeitet“, was belege, dass die Opponenten sich klar darüber seien, dass dieser „auch mit feinen Mitteln nicht [zu] beherrschen“ sei. In Paderborn seien Konflikte in „Jugendfragen“ (Einfluss der Hitlerjugend auf konfessionelle Jugendverbände und Familie) und in der „Frage der Sterilisierungen“ zu erwarten. Eine erfolgreiche Kandidatur Homanns sei „im Interesse von Staat und Bewegung“ und ein Scheitern „der Idee der Bewegung nicht förderlich“. Meyers Fürsprache zugunsten Homanns war eindeutig von politischen Erwägungen dominiert, charakterliche Eigenschaften spielten nur eine untergeordnete Rolle, fachliche Gesichtspunkte kaum. Von Oeynhausen wusste sich nach weiteren Gesprächen mit dem Oberpräsidenten und auch Meyer sicher, dass „ein starker und kluger Vertreter des Nationalsozialismus“ notwendig sei, auch wenn die Lösung Homann nicht „eine nach jeder Richtung hin ideale sein sollte“.

 

Als Homann nach mehrmonatiger Krankheit (Schrumpfniere) starb, überschlugen sich die Zeitungen in schwülstig-propagandistischen Nachrufen, deren Wahrheitsgehalt wohl unter einer überbordenden posthumen Ehrerbietung litt. Max Hiemisch warf am 9. Oktober 1937 anlässlich des Geburtstages des in Bielefeld geborenen und als „Märtyrer der Bewegung“ verklärten SA-Manns Horst Wessel (1907-1930) einen Blick zurück auf die „Kampfzeit“ der NSDAP in Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe. Er billigte Homann entscheidenden Einfluss zu: „Das nationalsozialistische Minden-Ravensberg ist sein Werk, und in diesem seinen Werk lebst du, Fritz Homann, fort; denn nie wird man von Kampf und Sieg im östlichen Westfalen und besonders nicht in Bielefeld sprechen können, ohne deiner zu gedenken.“

 

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Bielefelder SA am Horst-Wessel-Stein, 1933; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 95-4-1

Gauleiter Meyer, der ein langjähriger Weggefährte Homanns war, verfügte anlässlich der Gedenkfeiern zum 30. Geburtstag Horst Wessels am 9. Oktober 1937, dass die Bielefelder NSDAP-Ortsgruppe Jahnplatz in „Fritz Homann“ umbenannt wurde und die im Bau befindliche (und am 11. Juni 1939 eingeweihte) Kreisschulungsburg der NSDAP in Lübbecke Homanns Namen tragen sollte. Eine Straßenbenennung in Bielefeld nach ihm erfolgte nicht. In Paderborn dagegen wurde mit dem Busdorfwall ein Teil des Altstadtrings 1937 zu Fritz-Homann-Wall umbenannt, in Bad Oeynhausen die Kaiserstraße. In Paderborn-Schloss Neuhaus wurde 1938 eine neue Straße (heute: Josef-Temme-Weg) nach Homann benannt.

 

Jenseits der Nachrufprosa und Benennungspraxis von Partei und Verwaltung war Homann vor allen Dingen eines: ein lokal-regionaler Vertreter einer antisemitischen und nationalistischen Bewegung, der sich die Ziele und Maßnahmen von Hitler und NSDAP zu eigen machte, sie ebenso aktiv wie uneingeschränkt unterstützte und mit ihnen immer weiter nach oben gespült wurde. Bis zu Homanns Ableben waren jüdische Geschäfte seit 1933 boykottiert und 1935 die „Nürnberger Gesetze“ erlassen, die Gewerkschaften zerschlagen, die Parteienlandschaft eingeebnet und der politische Gegner eingeschüchtert, in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert oder verschwunden oder ermordet worden. Ein Abwenden des Nationalsozialisten Homann hiervon ist nicht zu erkennen. In Bielefeld erinnert außer Archivdokumenten heute nichts mehr an den NSDAP-Funktionär Fritz Homann – einem Propagandisten und Wegbereiter der NS-Diktatur in Bielefeld und Ostwestfalen, die aus ihrem unbedingten Willen zur Ausschaltung politischer, weltanschaulicher und militärischer Gegner nie einen Hehl gemacht hatte.

 

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 1, 3 u. 4: Geschichte der NSDAP-Ortsgruppe Bielefeld 1925-1933, Enthält: Handschriftliches Manuskript [von Max Hiemisch], 77 S., 1933
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 2: Gründungsversammlung der Ortsgruppe Bielefeld am 16. März 1925, 1925
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 7: Bildband „Kreistreffen 1939 des Kreises Lübbecke/Westfalen, verbunden mit der Einweihung der Kreisschulungsburg ´Fritz Homann´“, 1939
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 10: Organisation und Mitgliederbewegung der Ortsgruppen Bielefeld und Halle, 1932
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 11: Organisation der Ortsgruppe Jahnplatz, 1926-1933
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 250,1/NSDAP, Nr. 14: Tätigkeiten der Ortsgruppe Bielefeld, 1932-1938; Enthält u.a.: Kassenprüfung des NSDAP-Bezirks, 1932
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen,
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,10/Zeitgeschichtliche Sammlung, Nr. 307: NSDAP-Postille „Der Leineweber“ zur Stadtverordnetenwahl, 1929
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,10/Zeitgeschichtliche Sammlung, Nr. 5800: Broschüre NSDAP-Kreistreffen Bielefeld-Stadt, 5. und 6. Dezember 1936

Literatur

  • Becherer, Ernst, Der Weg der Bielefelder NSDAP an die Macht 1924-1933, (Diss.) Bielefeld 2007 (URL)
  • ders., Untersuchungen zur Frühgeschichte der NSDAP in Bielefeld (Stadt und Region), in: 97. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (2012), S. 207-232 (URL)
  • Burmester, Hans, Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) in Bielefeld bis 1933. Münster 1963 (Staatsarbeit).
  • Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP. (Hg.), Organisationsbuch der NSDAP., München 1936 (URL)
  • Hiemisch, Max, Der nationalsozialistische Kampf um Bielefeld (die Geschichte der N.S.D.A.P., Bielefeld), Bielefeld 1933
  • Hohmann, Friedrich Gerhard, Geschichte der Verwaltung des Kreises Paderborn, in: Landkreis Paderborn (Hg.), Zur Einweihung des Kreishauses 1968, Paderborn 1968, S. 9-88
  • Lilla, Joachim, Leitende Verwaltungsbeamte und Funktionsträger in Westfalen und Lippe (1918-1945/46). Biographisches Handbuch (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, XXII A; Geschichtliche Arbeiten zur Westfälischen Landesforschung, Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe, Bd. 16), Münster 2004
  • Reibel, Carl-Wilhelm, Das Fundament der Diktatur: Die NSDAP-Ortsgruppen 1932-1945, Paderborn u. a. 2002
  • Schneider, Christoph, Diener des Rechts und der Vernichtung. Das Verfahren gegen die Teilnehmer der Konferenz von 1941 oder: Die Justiz gegen Fritz Bauer, Frankfurt/Min 2017
  • Schröder, Arno, Mit der Partei vorwärts! Zehn Jahre Gau Westfalen-Nord, Detmold 1940
  • Stelbrink, Wolfgang, Der preußische Landrat im Nationalsozialismus. Studien zur nationalsozialistischen Personal- und Verwaltungspolitik auf Landkreisebene (Internationale Hochschulschriften, Bd. 255), (Diss. Münster 1997) Münster/New York/München/Berlin 1998
  • ders., Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Versuch einer Kollektivbiographie mit biographischem Anhang (Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe C: Quellen und Forschungen, Bd. 48), Münster 2003 (URL)

Internet-Ressourcen

Erstveröffentlichung: 01.09.2022

Rath, Jochen, 09. September 1937: Der Bielefelder NSDAP-Funktionär Fritz Homann stirbt, https://historischer-rueckklick-bielefeld.com/2022/09/01/01092022/, Bielefeld 2022

 

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