20. Januar 1942: Erste Versteigerung jüdischen Hausrats in Bielefeld

• Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek •

 

Ab dem 19. Januar 1942 kündigten die Bielefelder Tageszeitungen wiederholt Versteigerungen an. Die erste sollte in der Turnhalle der Bückardtschule stattfinden, deren Leitung den wochenlangen Ausfall des Turnunterrichts für das Unterstellen und Versteigern von Mobiliar beklagte. Die Herkunft der Ware – „Schränke, Tische, Möbel, Betten, Nähmaschinen, Bilder, Haus- und Küchengeräte usw.“ – verrieten weder Anzeigen noch Schulchronik, der zeitliche Zusammenhang, die Dauer und räumliche Ausdehnung der Auktionen jedoch sind untrüglich: Es handelte sich um die Habseligkeiten der jüdischen Menschen, die am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert worden waren. Die Versteigerung am 20. Januar 1942 war der Auftakt verschiedener Auktionsserien, die jeweils fünf bis acht Wochen nach den jeweiligen Deportationen stattfanden und sich insgesamt bis März 1943 hinzogen. Das Finanzamt nutzte die Zeit nach den Deportationen, um Inventarlisten abzugleichen, Wohnungen zu räumen und mit Gerichtsvollziehern Mobiliarwerte zu schätzen.

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Am 20. Januar 1942 fand in der Turnhalle der Bückardtschule die erste Versteigerung jüdischen Hausrats statt; Westfälische Neueste Nachrichten v. 17.1.1942

Am 4. November 1941 hatte das Reichsfinanzministerium die Oberfinanzpräsidenten über bevorstehende „Abschiebungen“ von Juden aus dem Reichsgebiet informiert und Anweisungen zur anschließenden Vermögensverwaltung und – verwertung gegeben: „Die Gegenstände, die nicht für Zwecke der Reichsfinanzverwaltung gebraucht werden, sind in geeigneter Weise zu veräußern.“ Ergänzend hatte der Oberfinanzpräsident in Münster am 8. Dezember 1941 die westfälischen Finanzämter mit konkreten Arbeitsanweisungen ausgestattet, darunter auch das in Bielefeld. Die kurz zuvor erlassene 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz unterstützte das massenhafte Verfahren. Sie legte, kurz gesagt, fest, dass Juden, die dauerhaft im Ausland lebten, keine deutschen Staatsbürger mehr sein sollten, und dass mit dem Verlust dieser Eigenschaft deren Vermögen automatisch dem Reich verfielen. Faktisch ging es um das Vermögen derjenigen Juden, die bereits ausgewandert oder deportiert waren, und zugleich derjenigen, die zukünftig verschleppt werden sollten, nachdem die Auswanderung seit Mitte Oktober 1941 verboten war. Was für die Deportierten den „Finanztod“ (Hans Günter Adler) bedeutete, war für die Finanzverwaltung eine willkommene Verfahrensvereinfachung, da mit der 11. Verordnung keine Einzelentziehungsverfügungen jedem einzelnen Deportierten ausgehändigt werden mussten. Als die Deportationen im Herbst 1941 auch in Westfalen begannen, konnte sich das Finanzamt Bielefeld – trotz eines 1936 bezogenen Neubaus an der Ravensberger Straße – per Erstzugriffsrecht beim eingezogenen Mobiliar und Hausrat der Juden bedienen, so wie es das Reichsfinanzministerium am 4. November 1941 angeordnet hatte: „Für die Ausstattung der Ämter (Dienstzimmer der Vorsteher und Sachbearbeiter, Büroräume): Schreibtische, Bücherschränke, Sessel, Teppiche, Bilder, Schreibmaschinen u.a.m., für die Ausstattung der Erholungsheime und Schulen der Reichsfinanzverwaltung: Schlafzimmer, Betten, Musikinstrumente und insbesondere Bettwäsche, Tischwäsche, Handtücher usw.“

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1936 hatte das Finanzamt an der Ravensberger Straße einen Neubau bezogen; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-1674-6

Die Verwaltung und Verwertung jüdischen Vermögens war im Finanzamt Bielefeld dem Sachgebiet V der Veranlagungsabteilung zugeordnet worden. Unter der Leitung des Steuerrates Wilhelm Schlegel (1884-1955) bearbeitete das Sachgebiet V normalerweise u. a. die Vermögens- und die Grundsteuer sowie die 1931 eingeführte Reichsfluchtsteuer, die ursprünglich die chronisch finanzschwache Weimarer Republik vor Kapitalabfluss schützen sollte. Als das NS-Regime ab 1933 jedoch vor allem die Juden zur Auswanderung drängte und gleichzeitig die Bemessungsgrenzen verschlechterte, wurde die Reichsfluchtsteuer von einer ökonomischen Schutzmaßnahme zum ideologischen Ausbeutungsinstrument umgedeutet. Vermutlich Ende 1941 fiel dem Sachgebiet V als Sonderaufgabe die „Verwaltung des dem Reich verfallenen Juden-Grundbesitzes“ und „Verwertung des dem Reich verfallenen Juden-Vermögens“ zu, die ein neu gebildeter Abschnitt B V 5 übernahm. Die unmittelbare Sachbearbeitung lag dort bei Steuerinspektor Fritz Wellpott (1901-1990), Obersteuersekretär Friedrich Spilker (1892-1961) und fünf zugeteilten Angestellten. „B V 5“ organisierte den Entzug und die Verwertung einschließlich der Anmietung von Lagerräumen, hielt Kontakt zur Gestapo, zu Gerichtsvollziehern, Spediteuren, Möbelpackern und den Stadtwerken, übernahm die Hausschlüssel, kontrollierte die Wohnungen und glich das Inventar mit den Vermögensverzeichnissen ab, beauftragte Hausverwalter, Handwerker, Grünschnitt, Schneeschaufeln und Müllentsorgung, zahlte Mieten und kassierte diese für enteignete Häuser von Juden. Darüber hinaus informierte der Abschnitt als „Bewertungsstelle“ die örtlich zuständigen Vermögenssteuer-Teilbezirke über Deportationen von Steuerpflichtigen aus den jeweiligen Bereichen, so dass z. B. Formulare für Einkommenssteuererklärungen nicht mehr zu verschicken waren.

Die Versteigerungen selbst übernahm im Sommer 1942 die von Steueramtmann Heinrich Lübbars (1880-1973) geleitete Vollstreckungsstelle, die die Einnahmen an die Finanzkasse abführte, von wo aus an die Oberfinanzkasse in Münster überwiesen wurde. Davor waren Gerichtsvollzieher mit den Auktionen beauftragt gewesen. Demnach griff das Finanzamt nicht auf gewerbsmäßige Auktionatoren oder Versteigerer in Bielefeld zurück, die in den zeitgenössischen Adressbüchern Bielefelds auch nicht nachzuweisen sind. Zuletzt im Januar 1939 war eine Bewerbung als öffentlicher Versteigerer abgelehnt worden. Der Münsteraner Kaufmann und Parteigenosse Ernst Wilkens hatte seine Anfrage mit der allgemeinen Wirtschaftslage und der anstehenden „Lösung der Judenfrage“ begründet. Zu diesem Zeitpunkt allerdings wurden Immobilien und Hausrat aber noch nicht vom Staat beschlagnahmt und versteigert, sondern noch vom Eigentümer verkauft, wenn auch unter Druck und kaum zu regulären Preisen.

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Der Abschnitt B V 5 (unten rechts) war für die Verwertung jüdischer Vermögen zuständig; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 200,41/Nachlass Heinrich Knollmann, Nr. 5

Die verschiedenen Versteigerungen 1942/43 fanden vor allem in der Auktionshalle Am Bach 12a, danach im Katholischen Vereinsheim an der Ecke Turnerstraße/Heeper Straße (in Sichtweite der Ruine der am 9. November 1938 zerstörten Synagoge) und in früheren Mietgaragen in der Rolandstr. 40 statt. Im Gefolge der Deportationen von Dezember 1941 bis Frühjahr 1943 vereinnahmte das Finanzamt dort in etwa 101.000 RM (umgerechnet ca. 350.000 €) für die Finanzkasse. Nach Abzügen für die Stadtwerke, Hausverwalter, Möbelpacker, Fuhrunternehmer, Mieten etc. verblieben rund 93.000 RM. Spätere Einzelversteigerungen und -verkäufe, die separat von den Hauptdeportationen stattfanden, brachten 1943/44 weitere Einnahmen von etwa 5.000 RM. Erlöse aus Immobilienverkäufen, Mieten, Lohnzahlungen, Steuerforderungen an Juden sowie Einkommenssteuerrückzahlungen an diese (!), die das Finanzamt natürlich selbst vereinnahmte, oder aus Beschlagnahmungen (z. B. von Konten, Versicherungen, Aktiendepots) vervielfachten die Einnahmen. Möglicherweise waren die Erlöse aus den Versteigerungen weitaus höher. Die Oberfinanzdirektion Münster antwortete den Rechtsanwälten des überlebenden Ehepaares Max und Margarete Rosenberg 1947, es seien „für verkauftes Mobiliar 4.490,50 RM eingegangen.“ Das im Landesarchiv in Detmold überlieferte Kontobuch vermerkt nur 1.003,50 RM. Wenn die höhere Summe nicht auch andere Werte enthält (z. B. aufgelöste Konten), so könnte bei Annahme dieses – bislang nur einmalig nachweisbaren – Differenzwertes (knapp 350 %) ein Gesamtvolumen von etwa 415.000 RM (umgerechnet ca. 1,45 Mio €) für Hausratverkäufe angenommen werden, zuzüglich der vom Finanzamt auf Grundlage der berüchtigten 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz und anderer Gesetze für den Eigenbedarf übernommenen Objekte.

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1939 bewarb sich Ernst Wilkens (Münster) mit Hinweis auf die „Lösung der Judenfrage“ als öffentlicher Versteigerer in Bielefeld; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,1/Ordnungsamt, Nr. 1171

Die vereinnahmten Summen klaffen weit auseinander. Bei vielen Deportierten vermerken die Kontobücher keine Erlöse, was daran liegen kann, dass sie nach dem zwangsweisen Umzug in die seit 1939 eingerichteten Judenhäuser über keinen eigenen Hausrat mehr verfügten oder aber die wenigen Utensilien als nicht verwertbar eingestuft wurden oder sich keine Käufer fanden. Die Gesamteinnahmen pro Haushalt betrugen zwischen 15 RM und 5.289 RM. Eine bevorzugte Abgabe an „Fliegergeschädigte“, die ihren Hausrat bei Luftangriffen verloren hatten, fand in Bielefeld nicht oder kaum statt, da die Stadt zwischen Juli 1941 und dem 30. September 1944 vergleichsweise wenig bombardiert wurde. Die ersten Geschädigten dürften demnach über die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt schnell versorgt worden sein, während im Herbst 1944 das Mobiliar aus jüdischen Haushalten weitgehend „verwertet“ war. Die Erwerber sind nicht mehr zu ermitteln, da die Versteigerungsprotokolle an den Oberfinanzpräsidenten in Münster geschickt wurden, wo sie bei einem Luftangriff verloren gingen. Deshalb sind Schätzungen über die Bielefelder Dimensionen dieses kollektiven Profitierens nur sehr vage. Für Hamburg nimmt Frank Bajohr einen Erwerber-Anteil von knapp 5,8 % an der Gesamtbevölkerung an, was umgerechnet einem – statistisch tatsächlich nicht belastbaren – Wert von etwa 7.400 Käufern aus der Stadt Bielefeld entspräche, also ohne den bis 1973 existenten Kreis. Die Bielefelder zeigten lebhaftes Kaufinteresse, wie die Oberfinanzdirektion 1958 festhielt: Wegen der Zwangsbewirtschaftung für Möbel und Hausrat während des Krieges bei gleichzeitiger Kapitalkraft bestand „entsprechend große Nachfrage.“ Einzelne Haushalte wurden unter mehr als 20 Interessenten aufgeteilt. Wie kleinteilig die Veräußerungen ausfielen, zeigen Einzelbuchungen mit 3 RM, 5 RM oder 8,06 (!) RM – die Schnäppchenjagd und das Feilschen um Pfennigbeträge kannten nach unten kaum Grenzen.

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1942 führten die Gerichtsvollzieher in der Versteigerungshalle Am Bach 12a einige Auktionen durch; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-58-50

Von ihrem Zugriff auf jüdische Vermögen ließ die Finanzverwaltung auch das Personal profitieren und lag damit auf der Linie des Ministerialerlasses v. 4. November 1941 über die „Behandlung des unbeweglichen Vermögens“, das für Zwecke der Reichsfinanzverwaltung u. a. für die „Beamtenwohnungsfürsorge“ genutzt werden sollte. Seit 1939 diente das Haus Wertherstraße 6 als Judenhaus. Hauseigentümer war bis zu seiner Verschleppung der ehemalige Albingia-Bezirksdirektor Ernst Paderstein (1873-1942), der am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und dort ums Leben kam. Nach der vollständigen Räumung des Hauses Wertherstraße 6, wohnte dort vom 19. März 1943 bis zu seinem Tod ausgerechnet der ehemalige Chef des Bielefelder Finanzamts, Regierungsdirektor Walther Heinemann (1875-1946). Dieser hatte nach seiner Pensionierung im Sommer 1942 die geräumige Dienstwohnung in der Ravensberger Straße 125 aufgeben müssen.

Als neue Immobilieneigentümerin bot die Finanzverwaltung ihrem früheren Spitzenbeamten das Haus Wertherstraße 6 zur Miete an, nachdem die letzten dort untergebrachten Juden am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert worden waren und das Regierungsbauamt in Minden das Leerstehen des ehemaligen Judenhauses angesichts des bestehenden Wohnungsmangels bereits moniert hatte. Ernst Padersteins Habe war nach seiner Deportation im Gesamtwert von 2.068,44 RM zwischen dem 19. August 1942 und 20. März 1943 (der Tag nach Heinemanns Einzug) in 24 Buchungen mit Werten zwischen 5 und 540 RM veräußert worden. Aus der Versteigerung des Hausrates aller Deportierten, die zuletzt dort gewohnt hatten, vereinnahmte das Finanzamt nach Abzügen 5.123,27 RM. Ob überhaupt und mit welcher Summe der ehemalige Behördenchef und neue Mieter Heinemann beteiligt war (die Buchung am Tag nach seinem Einzug spricht dafür), lässt sich ebenso wenig feststellen wie mögliches Insiderwissen oder Hinweise seiner früheren Dienststelle.

Diese Beobachtungen zur Systematik des Unrechts führen immer wieder zu der Frage nach der Motivation der Verwaltungsbeamten, so und nicht anders zu handeln: Ist es bürokratische Routine, eine antisemitische Einstellung im Amt und bei den einzelnen Sachbearbeitern, ein persönlicher Charaktermangel oder eine Mischung aus diesem? In seiner um 1939 angelegten Rückschau über die „Entstehung und Entwicklung der NSDAP beim Finanzamt in Bielefeld“ bezeichnete der Autor und Steuersekretär in der Finanzkasse, Alwin Liebram (1881-1959), seine Dienststelle mit offensichtlichem Stolz als „eigentliche Geburtsstätte des Nationalsozialismus in Bielefeld“. Vor 1933 waren sechs Beamte des Bielefelder Finanzamts der NSDAP beigetreten, darüber hinaus fast 50 in Gliederungen organisiert. 1935 waren von etwa 110 Beamten exakt 49 Parteimitglied, zwei weitere Pg. soeben an andere Behörden versetzt worden. In allen westfälischen Finanzämtern zusammen gehörten gerade einmal 616 Beamte der Partei an, wie der Oberfinanzpräsident hatte ermitteln lassen. Die große Eintrittswelle folgte aber erst ab 1937, als der 1933 verfügte Aufnahmestopp von der NSDAP gelockert und 1939 endgültig aufgehoben wurde. Mitte 1939 zählte das Finanzamt Bielefeld bereits 127 Pg. in den eigenen Reihen und wies demnach einen besonders hohen Organisationsgrad auf. Die steilste Karriere hatte der ehemalige Obersteuersekretär Fritz Budde (1895-1956) gemacht, der seit 1924 beim Finanzamt Bielefeld tätig, 1931 der NSDAP beigetreten und von 1935 bis 1945 Oberbürgermeister Bielefelds war.

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Ausschnitt aus der Chronik Alwin Liebrams über die NSDAP beim Finanzamt Bielefeld; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 300,7/Kleine Erwerbungen, Nr. 456

Der nachweisbar hohe Anteil von Parteigenossen im Finanzamt Bielefeld ist für die Anwendung nationalsozialistischer Gesetze allerdings von eher untergeordneter Bedeutung: Die Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Bielefeld durch das Finanzamt wäre genauso geschehen, wenn alle Beamten Mitglied gewesen wären oder kein Einziger. Man kann, aber man muss nicht Nazi oder Antisemit sein, um als Beamter Juden im staatlichen Auftrag formgerecht auszuplündern. Genauso wenig muss man Nazi oder Antisemit sein, um bei einer Versteigerung günstig Hausrat und Mobiliar zu kaufen, die bald nach den Deportationen plötzlich angeboten wurden. Diese „moralische Indifferenz“ (Frank Bajohr) war verbreitet, schließlich kaufte man vom Finanzamt, das gleichsam ein Moralkatalysator war.

Das bürokratische Selbstverständnis erklärte der Partei- und Amtschronist Alwin Liebram wie folgt: „Getreu und willig haben wir alle unsere Pflicht getan, ohne dabei einen finanziellen Vorteil für uns zu beanspruchen. Dafür aber waren und sind wir Nationalsozialisten. Unsere ganze Arbeit war abgestellt auf den Gedanken ´Alles für Deutschland´.“ Sicherlich meinte Liebram die eigene Arbeitsleistung, die dem Staatswesen und -willen untergeordnet wurde. Im Zusammenhang mit der Enteignung jüdischer Vermögen gewinnt diese Devise nachträglich eine irritierende Mehrdeutigkeit. Und wenn die Verwertung des Vermögens auch und vor allem durch Versteigerungen und Weitergabe an „Volksgenossen“ bewältigt wurde, dann schillert Liebrams Schlusssatz umso mehr: „Alles für das Deutsche Volk.“

 

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,1/Ordnungsamt, Nr. 1171: Gewerberecht, 1903, 1927-1957; Enthält u.a.: Bewerbung des Ernst Wilkens als Versteigerer mit Hinweis auf die „Judenfrage“, 1938/39
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 200,41/Nachlass Heinrich Knollmann, Nr. 5: Berufliche Unterlagen und Korrespondenz, 1934-1943; Enthält u.a.: Kriegsgeschäftsverteilungsplan des Finanzamtes Bielefeld, 1942
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 300,7/Kleine Erwerbungen, Nr. 456: „Die Entstehung und Entwicklung der NSDAP beim Finanzamt Bielefeld“ von Alwin Liebram
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-58-50 (Versteigerungshalle Am Bach), 11-1674-6 (Finanzamt, Ravensberger Straße 125)


Literatur

  • 70 Jahre Deutscher Alpenverein Sektion Bielefeld 1893-1963, Bielefeld 1963 (S. 29: Porträt Paderstein)
  • Adler, Hans Günther, Der verwaltete Mensch. Studien zur Deportation der Juden aus Deutschland, Tübingen 1974
  • Asdonk, Jupp/ Dagmar Buchwald/Lutz Havemann/Uwe Horst/Bernd J. Wagner (Hg.), „Es waren doch unsere Nachbarn!“ – Deportationen in Ostwestfalen-Lippe 1941 – 1945 (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte, Bd. 24), Essen ² 2014
  • Bajohr, Frank, „Arisierung“ in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933-45, (Diss. 1997/98) Hamburg 1999
  • Dreßen, Wolfgang, Betrifft: „Aktion 3“. Deutsche verwerten jüdische Nachbarn. Dokumente zur Arisierung, Berlin 1998
  • Kenkmann, Alfons/Bernd-A. Rusinek (Hg.), Verfolgung und Verwaltung. Die wirtschaftliche Ausplünderung der Juden und die westfälischen Finanzbehörden, Münster 1999
  • Kuller, Christiane, Bürokratie und Verbrechen. Antisemitische Finanzpolitik und Verwaltungspraxis im nationalsozialistischen Deutschland (Das Reichsfinanzministerium im Nationalsozialismus, Bd. 1), München 2013
  • Reichardt, Sven/Wolfgang Seibel (Hg.), Der prekäre Staat. Herrschen und Verwalten im Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 2011
  • Schilde, Kurt, Bürokratie des Todes – Lebensgeschichten jüdischer Opfer des NS-Regimes im Spiegel von Finanzamtsakten, Berlin 2002
  • Schmid, Hans-Dieter, „Finanztod“. Die Zusammenarbeit von Gestapo und Finanzverwaltung bei der Ausplünderung der Juden in Deutschland, in: Gerhard Paul/Klaus-Michael Mallmann (Hg.), Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. „Heimatfront“ und besetztes Europa, Darmstadt 2000, S. 141-154
  • Stengel, Katharina (Hg.), Vor der Vernichtung. Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus (Wissenschaftliche Reihe des Fritz-Bauer-Instituts, 15), Frankfurt am Main u. a. 2007
  • Ausstellungstafeln der Bielefelder Ergänzung zur Wanderausstellung „Betrifft: ´Aktion 3´ – Deutsche verwerten jüdischen Nachbarn“ online

 

Erstveröffentlichung:  1.1.2017

Hinweis zur Zitation:
Rath, Jochen, 20. Januar 1942: Erste Versteigerung jüdischen Hausrats in Bielefeld, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld,
https://historischer-rueckklick-bielefeld.com/2017/01/01/01012017, Bielefeld 2017

 

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