• Søren Bielke, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld •
Am 10. Juni 1995 eröffnete in der renovierten Direktorenvilla im Ravensberger Park die „Kunstgewerbesammlung der Stadt Bielefeld / Stiftung Huelsmann“, später „Museum Huelsmann“. Zur feierlichen Einweihung zeigten sich die geladenen Gäste begeistert: Prof. Dr. Eberhard Munzert (1932-2000), Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Huelsmann, bezeichnete das Haus als ein „Schmuckstück“, Oberbürgermeisterin Angelika Dopheide sprach von einem „Schatz“. Gezeigt wurden rund 700 Meisterwerke des europäischen Kunsthandwerks aus vier Jahrhunderten – überwiegend aus dem Nachlass des Kunsthändlerehepaares Friedrich Karl August Hülsmann und Gertrud Agathe Elisabeth Hülsmann.

Unter den ausgestellten Objekten befand sich auch eine damals so bezeichnete „Mohrenbüste“, ein Begriff, der heute als veraltet und rassistisch gilt. Die 9,2 Zentimeter große Halbfigur aus dem 18. Jahrhundert, gefertigt aus Ebenholz und Bandachat, mit Silber, Edelsteinen und Perlen verziert, löste bereits zur damaligen Zeit eine Kontroverse aus. Die Büste war auf dem Eröffnungsplakat abgebildet und wurde laut der Neuen Westfälischen vom 19. September 2020 als ein Beispiel von „Kolonialkunst der übelsten Sorte“ wahrgenommen. Die damalige Museumsleiterin Dr. Hildegard Wiewelhove ordnete das Objekt anlässlich des 25. Jubiläums des Museums kritisch ein: Solche Darstellungen würden heute zurecht als rassistisch und sexistisch bewertet. Sie erinnerte sich: „Für diesen Aufschlag mussten wir uns entschuldigen.“
Erste Versuche eines städtischen Kunstgewerbemuseums

Aus dem Engagement des 1876 gegründeten Historischen Vereins der Grafschaft Ravensberg zur Erforschung und Dokumentation der Stadtgeschichte entstand eine Sammlung von Objekten, die 1898 in städtische Obhut übergeben wurde. Diese nach Werkstoffen geordnete Sammlung wurde in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich erweitert. Seit den 1950er-Jahren bezogen sich die Ankäufe in den Bereichen Metallgerät, Keramik und insbesondere Glas sowohl auf historische als auch auf zeitgenössische kunsthandwerkliche Arbeiten. Anlässlich des 750. Stadtjubiläums von Bielefeld beschloss der Stadtrat am 10. Juni 1964 in einer Festsitzung die Gründung des Historischen Museums. Als Standort wurde der 1565 erbaute Westflügel des Waldhofs gewählt. Mit der Eröffnung einer kulturgeschichtlichen Ausstellung 1966 erhielt der nach und nach ausgebaute Ausstellungsbereich im Wirtschaftstrakt des ehemaligen Adelshofs in der Bielefelder Neustadt vorübergehend den Charakter eines regional ausgerichteten Kunstgewerbemuseums. Die Ausstellung umfasste unter anderem eine Sammlung zur Glaskunst, Werke der Metall- und Textilkunst, Möbel sowie Porzellan. Im Laufe der Zeit wurde der Bestand durch hochwertige Objekte aus Antike, Spätgotik, Renaissance und Barock erweitert. Der Fokus der Sammlung verlagerte sich dabei zunehmend weg von der lokalen und regionalen Geschichte, daher trennte sich die stadtgeschichtliche Abteilung nach einigen Jahren ab, die im Waldhof verbliebene Kunstgewerbesammlung entwickelte sich weiter und erhielt ab 1970 offiziell den Namen „Kulturhistorisches Museum“. Leider konnte sich dieses nicht als eigenständige museale Institution etablieren. Die Sammlungen wurden eingelagert, die Ausstellungsräume wurden 1983 aus Kostengründen dem Bielefelder Kunstverein e.V. überlassen.
Das Erbe der Schriftstellerin Hertha Koenig
1976 erhielt die Stadt Bielefeld ein außergewöhnliches Geschenk: die Kunst- und Kunstgewerbesammlung der Schriftstellerin, Gutsbesitzerin und Mäzenin Hertha Koenig (1884–1976). Ihre vielseitige Sammlung bildet heute einen kleineren, aber wertvollen Teil der Museumssammlung. Koenig, die mit Rainer Maria Rilke befreundet war und ein beachtliches literarisches Werk hinterließ, sammelte mit feinem Gespür: Alte Meister des 16. bis 18. Jahrhunderts, Hinterglasmalerei, hochwertiges Biedermeierglas, Zinn, Porzellan und Textilien gehörten ebenso dazu wie Werke der klassischen Moderne – letztere wurden der Kunsthalle Bielefeld zugeordnet. Die Schriftstellerin stammte aus einer einflussreichen Industriellenfamilie. Ihr Großvater Leopold Koenig hatte in Russland ein Zuckerrüben-Imperium aufgebaut, ihr Onkel Alexander stiftete das Naturkundemuseum Koenig in Bonn. Ihre lyrischen Werke, darunter Texte in expressionistischer Sprache aus dem Jahr 1946, reflektierten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg über die Wirkmacht der Dinge und deren warnende Funktion für den Menschen.
Das Stifterehepaar Hülsmann/Huelsmann

Der umfassendste und wertvollste Zuwachs der städtischen Kunstgewerbesammlungen erfolgte 1984, als die Stadt das umfangreiche Vermächtnis des Ehepaars Friedrich Karl August Hülsmann (1904– 1979) und Gertrud Agathe Elisabeth Hülsmann (1894–1983) antrat. Mit dieser Schenkung erhielt Bielefeld Kunstwerke von Weltrang. Das Ehepaar Hülsmann führte seit 1938 in Hamburg, Hohe Bleichen, die Kunst- und Antiquitätenhandlung „F.K.A. Huelsmann“, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der führenden Kunsthandelsunternehmen in Deutschland entwickelte und weltweite Anerkennung fand. Mit kaufmännischem Geschick und einem ausgeprägten Blick für Qualität erwarben die Hülsmanns nach und nach eine exquisite Privatsammlung, die sie im Alltag umgab. Diese Sammlung – bestehend aus über 1.000 kunstgewerblichen Objekten sowie einem Barvermögen von 5,3 Millionen Mark – vermachten sie der Stadt Bielefeld, der Heimatstadt von Friedrich Hülsmann. Das Vermächtnis war an die Bedingung geknüpft, dass sämtliche Kunstgegenstände dauerhaft in städtischem Besitz verbleiben, öffentlich zugänglich gemacht werden und nicht veräußert werden sollten. Bereits 1953, mit einem Nachtrag von 1978, hielten die Hülsmanns testamentarisch fest, „… dass die genannten Gegenstände im Kultur-Historischen Museum der Stadt Bielefeld als G. A. E. / F. K. A. HUELSMANN Vermächtnis und/oder Stiftung zusammengefasst erhalten bleiben.“. Die Sammlung Hülsmann zeichnete sich insbesondere durch Meisterwerke der Silber- und Goldschmiedekunst, Fayencen, Porzellan, Gemälde, Möbel sowie wissenschaftliche Instrumente aus. Sie stellte in materieller sowie künstlerischer und kunsthistorischer Hinsicht die bedeutendste kunstgewerbliche Schenkung dar, die eine deutsche Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhalten hat. Das Ehepaar Hülsmann fand seine letzte Ruhestätte auf dem Sennefriedhof in Bielefeld.
Renaissance, Barock und Empire in den Vitrinen der Sparkasse

Die erste öffentliche Präsentation von Objekten der Sammlung Huelsmann erfolgte durch Bernhard Heitmann vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Unter dem Titel „Europäisches Kunsthandwerk 1500–1800. Vermächtnis F.K.A./G.A.E. Huelsmann“ wurde die Ausstellung von November 1986 bis Januar 1987 gezeigt. Im Anschluss wurden die Exponate in das Depot der Kunsthalle Bielefeld zurückgeführt. Dirk Syndram, der erste Konservator der kunstgewerblichen Sammlungen Bielefelds, brachte zwischen 1987 und 1992 zahlreiche Schätze der Sammlung durch vielbeachtete Fachpublikationen und kleinere Ausstellungen in das öffentliche Bewusstsein. Dazu erschien ein umfangreicher Bildkatalog. 1989 wurde der erste Bestandskatalog veröffentlicht, der den wissenschaftlichen Instrumenten und Sonnenuhren gewidmet war. Über 140 dieser Messinstrumente wurden im Rahmen der Sonderausstellung „Sternenseher – Zeitenmesser“ in den Räumen des Kunstvereins Bielefeld am Waldhof und anschließend als Wanderausstellung gezeigt. Besonders eindrucksvoll waren bemalte Taschensonnenuhren aus Holz, Silber und Elfenbein. Weitere Teilbereiche der Sammlung wurden in den folgenden Jahren ebenfalls in Bestandskatalogen dokumentiert und in temporären Ausstellungen präsentiert. Seit 1989 gab es zudem eine Vitrinengruppe im Eingangsbereich der City-Geschäftsstelle der Sparkasse Bielefeld, Eingang Stresemannstraße, die regelmäßig wechselnde Einblicke in die Sammlung bot. 1991 wurden im Rahmen der Ausstellung „Kabinett – Einblicke in fünfhundert Jahre Kunstgewerbe“ in der Studiengalerie und im Foyer der Kunsthalle Bielefeld 72 Exponate gezeigt. Darunter befand sich ein Paar kunstvoll getriebener Wandleuchter, die um 1741 von August Nahl d. Ä. in Berlin für die erste Wohnung Friedrichs des Großen im Schloss Charlottenburg geschaffen wurden – dort hängen heute nur noch Kopien. Im Februar desselben Jahres wurden auf den Antiquitäten-Tagen in Münster Silberarbeiten des Barock und Rokoko präsentiert, darunter Tafelaufsätze, Trinkgefäße und Tischgeräte.
Die Sammlung gilt in Umfang und Qualität als einzigartig. Sie umfasst herausragende Kunstwerke vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert – von der Renaissance bis zum Empire. Zu den Sammlungsschwerpunkten zählen:
- Deutsche Gold- und Silberschmiedekunst
- Europäische Glaskunst
- hochwertige Keramiken und Fayencen
- Kleinbronzen und Kunstkammerobjekte
- Wandteppiche und Möbel
- Gemälde
- Ostasiatische Kunst
- eine umfangreiche Sammlung historischer wissenschaftlicher Instrumente und Sonnenuhren

Da die Stadt Bielefeld 1984 beschlossen hatte, die Ausstellungsräume des Kulturhistorischen Museums am Waldhof aufzugeben, wurde eine neue Lösung für die Präsentation der städtischen Kunstgewerbesammlungen notwendig. Diese fand sich schließlich mit der Gründung der G.A.E./F.K.A.-Huelsmann-Stiftung. Ermöglicht wurde dies durch eine Zustiftung von Rudolf-August Oetker (1916–2007) sowie durch die Beteiligung der Stadt Bielefeld und des Förderkreises der Kunstgewerbesammlung der Stadt Bielefeld / Stiftung Huelsmann e.V. 1994 wurde im Zuge städtischer Sparmaßnahmen öffentlich über die Notwendigkeit des Museums diskutiert. Dr. Hildegard Wiewelhove, die 1993 die Nachfolge von Dirk Syndram angetreten hatte (dieser war zum Grünen Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gewechselt), äußerte sich dazu im Stadtblatt vom 6. Januar 1994:
„Zum Leben braucht man vieles nicht. Eigentlich braucht man überhaupt keine schönen Dinge: kein Fernsehen, keine bunten Bilder, keine Kunst – gar nichts. Dann brauchen wir nur noch Brot und Butter und vielleicht eine Scheibe Aufschnitt. So. Wenn Sie das Leben nennen, bitte. Diese Argumentation ist uralt.“
Die Direktorenvilla – ein neues Zuhause für die Sammlung Huelsmann

Die 1865 erbaute Direktorenvilla im Ravensberger Park liegt in markanter Sichtachse zum Hauptgebäude der zehn Jahre zuvor gegründeten Ravensberger Spinnerei. Über ein Jahrhundert hinweg diente das repräsentative Gebäude als Wohnsitz der jeweiligen Fabrikdirektoren. Mit der Stilllegung des Produktionsstandorts 1969 verloren auch die Fabrikgebäude ihre ursprüngliche Funktion. Der Stadtrat plante deren Abbruch zugunsten einer innerstädtischen Umgehungsstraße und eines modernen Verwaltungsbaus. Doch engagierte Bürger*innen erkannten den historischen und architektonischen Wert der Industrieanlage und setzten sich erfolgreich für deren Erhalt ein. Dank dieses zivilgesellschaftlichen Engagements konnten die Gebäude der Spinnerei vor dem Abriss bewahrt werden. In den Folgejahren bezogen zunächst die Volkshochschule und das Historische Museum die ehemaligen Produktionshallen. Der 1993 begonnene Umbau der Direktorenvilla zur musealen Nutzung kostete 4,5 Millionen Mark und wurde durch eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Professor Ernst Ulrich Scheffler, der Stadt Bielefeld und der Museumsleitung umgesetzt. Zwei Jahre später konnte das Museum der Öffentlichkeit übergeben werden. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine finanzielle Gemeinschaftsleistung: Die Stadt steuerte 1,081 Million Mark bei, während 3,8 Millionen Mark aus Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen, des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, durch Spenden des Förderkreises sowie von 30 Mäzen*innen kamen – darunter Rudolf-August Oetker mit einer Einzelspende von 1,1 Million Mark. Auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche, verteilt auf vier Etagen, wurde die Sammlung erstmals dauerhaft präsentiert, im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss waren die kunstgewerblichen Objekte in Epochenräumen von der Renaissance bis zum Klassizismus thematisch inszeniert. Unter den Ausstellungsstücken befanden sich Meisterwerke der europäischen Gold- und Silberschmiedekunst, Keramiken, Bronzen, Metallarbeiten, Tapisserien und Möbel aus mehr als vier Jahrhunderten. Das Untergeschoss war der wissenschaftlich-technischen Sammlung gewidmet, insbesondere historischen Messinstrumenten wie z. B. Sonnenuhren. Ein Glaskabinett sowie eine Schatzkammer mit Objekten aus Elfenbein, Edel- und Halbedelsteinen, Bernstein, Schildpatt und Perlmutt ergänzten die Ausstellung ganz im Stil einer historischen fürstlichen Kunstkammer. Ein weiterer bedeutender Sammlungskomplex im Untergeschoss war den Asiatica gewidmet – einer Auswahl herausragender Werke ostasiatischer Kunst.
Eine italienische Turmvilla erweitert das Museum
Im Jahr 1852 entstand neben der Direktorenvilla die sogenannte Turmvilla, ein herausragendes Bauwerk, entworfen nach Plänen eines Schülers von Karl Friedrich Schinkel. Als Bauherr gilt Heinrich Niedergassel (1817–1858), ein bedeutendes Gründungsmitglied der Ravensberger Spinnerei. Nach seinem frühen Tod 1860 diente das Gebäude dem Prokuristen der Spinnerei als Wohnsitz. Die Villa ist erbaut in der Art einer Potsdamer Turmvilla, beeinflusst vom italienischen Landhausstil. Eine signierte Zeichnung des preußischen Hofarchitekten Ferdinand von Arnim legt nahe, dass das Gebäude auf dem Entwurf eines Landhauses in der Umgebung Potsdams basiert. Im Jahr 1984 wurde die gesamte Anlage der Ravensberger Spinnerei, einschließlich der Turmvilla, unter Denkmalschutz gestellt. Zum zehnjährigen Bestehen des Museums Huelsmann wurden 2005 erste Teile der Villa für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erweiterten das bestehende Ensemble. Seit September 2014 stand das Haus vollständig für Ausstellungen zur Kunst der Moderne (20. und 21. Jahrhundert) und Sonderausstellungen zur Verfügung. Ab 2021 war das Gebäude aus brandschutztechnischen und statischen Gründen nur noch eingeschränkt zugänglich und konnte lediglich von kleinen, angemeldeten Besuchergruppen besichtigt werden. Zukünftig ist eine Nutzung der Turmvilla als Büro- und Arbeitsraum für Museumsmitarbeiter*innen vorgesehen. Als verbindendes Element zwischen der Turmvilla und der benachbarten Direktorenvilla diente bislang die langgestreckte ehemalige Remise, in der sich die Museumsverwaltung befindet.
Neustrukturierung des Museums Huelsmann ab 2021
Zum Jahresbeginn 2021 ging die Trägerschaft des Museums Huelsmann von der privaten Stiftung Kunstgewerbesammlung der Stadt Bielefeld / Museum Huelsmann auf die Stadt Bielefeld über. Damit wurde das Museum, gemeinsam mit dem Historischen Museum, in das neu gegründete städtische Amt „Museen im Ravensberger Park“ eingegliedert. Zuvor hatte die Stadt vor allem als finanzieller Unterstützer im Hintergrund agiert, während die Stiftung die operative Verantwortung trug. Durch die Umstrukturierung wurde die Stiftung nun auf die Rolle einer Vermögensverwalterin beschränkt. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren ein gesetzlicher Wandel im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung sowie der bevorstehende Ruhestand der langjährigen Museumsleiterin Dr. Hildegard Wiewelhove. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt das Personal gestellt und der Stiftung zur Verfügung gestellt. Künftig sollte die Stiftung in „enger Abstimmung“ weiterhin in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und erhielt ein Anhörungsrecht bei der Berufung der neuen Museumsleitung. Auch im Hinblick auf eine langfristige Gesamtentwicklung des Ravensberger Parks als Museumsstandort, möglicherweise auch mit dem Naturkundemuseum, erschien die Vereinheitlichung der Trägerschaft unter städtischer Hand sinnvoll. Mit dem Trägerwechsel endete auch eine Ära: Nach 26 Jahren übergab Dr. Hildegard Wiewelhove die Leitung des Museums. Die promovierte Kunsthistorikerin hatte das Haus seit 1995 geprägt – mit über 60 Ausstellungen, gezielter Bestandserweiterung dank des Fördervereins sowie der Integration der Turmvilla als zusätzlichem Ausstellungsgebäude.
Diebstahl der „Bielefelder Mona Lisa“

Am 27. April 2022 musste mit dem Diebstahl des Gemäldes „Portrait einer jungen Frau“, das dem niederländischen Maler Pieter Aertsen zugeschrieben wird, der erste Verlust in der damals 27-jährigen Geschichte des Hauses beklagt werden. Das etwa DIN-A3-große, etwa 1561 auf eine Eichenholztafel gemalte Ölgemälde nahm eine wichtige Rolle in der Sammlung ein und war ein Teil der Provenienzausstellung „Vermächtnis sucht Herkunft“, wo die bewegte Biografie des Bildes und anderer Objekte des Museums aufgearbeitet und präsentiert wurde. Nicht viele Arbeiten des Künstlers sind erhalten, da ein großer Teil der Kunst Pieter Aertsens durch Kriege und den reformierten Bildersturm in den Spanischen Niederlanden 1566 verloren ging. Die Täterin entfernte das Bild während der regulären Öffnungszeiten unbemerkt. Nach Veröffentlichung eines Phantombildes stellte sie sich der Polizei und gestand die Tat. Über den Verbleib des Bildes konnte sie jedoch keine verlässlichen Angaben machen: Es sei ihr angeblich direkt nach dem Diebstahl auf dem Hamburger Kiez abhandengekommen. Das kleine Tafelgemälde, geschätzt auf 50.000 bis 100.000 Euro ist bis heute verschwunden. Der Fall brachte dem Museum überregionale Aufmerksamkeit – jedoch tragischerweise durch den Verlust eines bedeutenden Kulturguts.
Yoga im Museum und eine neu gestaltete Dauerausstellung

Seit April 2021 steht das Museum Huelsmann unter der Leitung der Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Schwarm. Unter ihrer Führung wurden die digitalen Angebote deutlich erweitert – ein Schritt, der insbesondere während der Corona-Pandemie an Bedeutung gewann. Ab 2022 ergänzten regelmäßig stattfindende Formate für Kinder und Familien das Vermittlungsangebot. Im Jahr 2023 wurde zudem das Format „Artist in Residence“ ins Leben gerufen, das sich gezielt an ein jüngeres, kunstinteressiertes Publikum richtet und wechselnde Gastkünstler*innen ins Museum einlädt. Ebenfalls seit 2023 erfreut sich das innovative Angebot „Yoga im Museum“ wachsender Beliebtheit. Ein Schwerpunkt lag auf der inhaltlichen Weiterentwicklung des Hauses. Die noch weitestgehend aus der Gründungszeit des Museums stammende ständige Ausstellung wurde neu konzipiert und mit großem Zuspruch aufgenommen.
Quellen
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 107,1/Kulturdezernat, Nr. 590, 594 und 618: Huelsmann-Stiftung
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen, Nr. 32: Neue Westfälische (Artikel vom 14.2.91, 9.6.95, 10.6.95, 12.6.95, 2.6.20, 19.9.20,), Nr. 54: Westfalenblatt (Artikel vom 8.2.91, 10./11.6.95, 12.6.95, 19.9.20, 19.10.21)
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,6/Ansichtskarten, Nr. 1447
Literatur
- Geschäftsberichte Museum Huelsmann 2021 – 2023, (Signatur Landesgeschichtliche Bibliothek: Z 40 Bie 211)
- Institut Museum Huelsmann: Vermächtnis sucht Herkunft – Provenienzforschung; Zur Sammlung Friedrich und Gertrud Hülsmann in Bielefeld, Bielefeld 2021, (Signatur Landesgeschichtliche Bibliothek: K 155 1002)
- Kontinuität im Wandel: Vom barocken Tafelgerät zum modernen Serienprodukt, Bielefeld 1990, (Signatur Landesgeschichtliche Bibliothek: K 155 537)
- Kunsthalle Bielefeld: Europäisches Kunsthandwerk 1500 – 1800, Vermächtnis F.K.A./G.A.E. Huelsmann, Bielefeld 1986, (Signatur Landesgeschichtliche Bibliothek: K 155 503)
- Museum Huelsmann: 1995 – 2005, Bielefeld 2005, (Signatur Landesgeschichtliche Bibliothek: K 155 1032)
- Syndram, Dirk: Kabinett, KunstgewerbeSammlung Stadt Bielefeld, Stiftung Huelsmann, Einblicke in fünfhundert Jahre europäisches Kunstgewerbe, Bielefeld 1990, (Signatur Landesgeschichtliche Bibliothek: K 155 536)
- Wiewelhove, Hildegard: Prestel-Museumsführer Museum Huelsmann, Kunstgewerbesammlung der Stadt Bielefeld/Stiftung Huelsmann, München/ London/New York 1999, (Signatur Landesgeschichtliche Bibliothek: K 155 650)
Online-Quellen (alle zuletzt abgerufen am 20.5.2025)
- https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/23925588_Skurriler-Kriminalfall-2022-Dubiose-Diebin-stiehlt-Bielefelds-Mona-Lisa-und-verschwindet.html
- https://www.museumhuelsmann.de
- https://de.wikipedia.org/wiki/Ravensberger_Spinnerei
Erstveröffentlichung: 01.06.2025
Hinweis zur Zitation:
Bielke, Søren, 10. Juni 1995: Das Museum Huelsmann eröffnet im Ravensberger Park, https://historischer-rueckklick-bielefeld.com/2025/06/01/01062025/, Bielefeld 2025









